Und wenn sie nicht gestorben sind…

Am 31. Januar startet die Eintragungsfrist für das Volksbegehren Artenvielfalt, welches sich einem höchstrelevanten Thema widmet.

Von Katrin Stockheim,

Es gibt viele Geschichten aus dem Insektenreich, die beispielhaft für das echte Leben von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Abenteuer der kleinen Biene Maja und ihren Freunden – dem Bienenjungen Willi, dem Grashüpfer Flip, dem Mistkäfer Kurt, der Libelle Schnuk oder der Spinne Thekla – zählen dabei wohl zu den bekanntesten. 1912 veröffentlicht, verarbeitete Autor Waldemar Bonsels darin seine Kindheitserlebnisse in der freien Natur, u.a. in der Umgebung von Schleißheim. Originalerzählung wie auch die Trickfilmadaption aus den 1970er Jahren und deren Neuauflage nach 2013 visualisieren kindgerecht eine heile Welt, in der Insekten und Natur in gegenseitig abhängiger Diversität zur Entfaltung kommen. Erzählungen, in denen der Mensch Randfigur bleibt. Erzählungen, die heute zu wahren Märchen verkommen.

Insekten sind ein integraler Bestandteil des Ökosystems. So sind etwa 80 Prozent der heimischen Wildpflanzen auf deren Bestäubung angewiesen. 60 Prozent der Vögel dienen Insekten als Nahrungsquelle. Aktuelle Untersuchungen belegen jedoch einen Rückgang der Fluginsekten um mehr als 70 Prozent. Ähnliches gilt für die Artenvielfalt in Flora und Fauna. Erschreckende Tatsachen, die bereits seit Jahren von Umweltaktivisten angemahnt werden, aber wohl erst seit kurzem den traurigen, zum Aufrütteln notwendigen Tiefstand erreicht haben. Die Ursachen des Insektenrückgangs sind vielfältig und komplex.

Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für biologische Vielfalt erklärt. Die Staatengemeinschaft ruft die Weltöffentlichkeit auf, sich für die biologische Vielfalt einzusetzen.

Mit dem Aktionsprogramm „Insektenschutz“ fokussiert die Bundesregierung seit Juni 2018 ihr biodiversitäres Handeln. Zu den Programmeckpunkten zählen die Förderung von Insektenlebensräumen und der Strukturvielfalt, Wiederherstellung und Vernetzung von Lebensräumen, Stärkung der Schutzgebiete, Minderung von Pestizidanwendungen, Reduzierung von Lichtverschmutzung wie auch der Nähr- und Schadstoffeinträge in Böden und Gewässer, Vertiefung von Forschung und Wissen sowie die Förderung des gesellschaftlichen Engagements.

Mit der „Naturoffensive Bayern“ setzt sich der Freistaat in den Jahren 2019 und 2020 intensiv für den Erhalt der Biodiversität ein und erkennt deren Förderung als Gesellschaftaufgabe an: Landwirte, Kommunen, Wald- wie auch Gartenbesitzer und Verbraucher können zum Erhalt der Biodiversität beitragen. 2018 gefasste Beschlüsse beinhalten auch ein ressortübergreifendes "Bayerisches Aktionsprogramm für die Insektenvielfalt" und sollen Lebensräume, Artenreichtum und das Naturerlebnis im Einklang mit den Menschen fördern.

Foto: Levin on Unsplash

Mit dem Volksbegehren Artenvielfalt fordern deren Initiatoren ÖDP (Landesverband), Bündnis90/Die Grünen (Bayern) und der Landesbund für Vogelschutz (Bayern) sowie zahlreiche Bündnispartner und Unterstützer weitere Schritte in Richtung nachhaltige Biodiversität ein. Der mit dem Volksbegehren eingereichte Gesetzesänderungsentwurf sieht insbesondere die Landwirtschaft in der Handlungspflicht. Die Schwerpunkte umfassen die Schaffung von Biotopverbünden, eine Nachhaltige Ausbildung der Landwirte, mehr Transparenz, mehr Öko, mehr Bio, mehr Blühflächen und wendiger Pestizide. Zwischen dem 31.01. und 14.02.2019 haben die Bürgerinnen und Bürger Bayerns die Möglichkeit, mit ihrer Unterschrift im Rathaus diesem Antrag zuzustimmen und den Entwurf in einem Volksentscheid zur Abstimmung zu bringen.

Die Freisinger Mitte setzt sich ebenfalls für den Erhalt der Artenvielfalt ein und fordert jeden dazu auf, sich kritisch mit Ursachen und Lösungsvorschlägen auseinanderzusetzen. Dazu gehört eine konstruktive Information über alle Handlungsfelder, die mehr als die Möglichkeiten der Landbewirtschafter umfassen und schlussendlich jeden Einzelnen betreffen. Ein Handlungsansatz, den die Freisinger Mitte als kommunal agierender Verein gerne aufgreift. Mit dem Aktionstag „Freising summt“ wird die FSM am 22. Juni 2019 das Thema Biodiversität im kommunalen und privaten Bereich beleuchten: Blühflächen, Insektenschutz und Mehrwerte für heimischen Balkon und Garten werden dabei vorgestellt. Zur weiteren Information zum aktuellen Zeitpunkt verweist die FSM auf bestehende Beiträge, die sich für eine artenreiche Zukunft und mit Blick auf das anstehende Volksbegehren lohnen, zu lesen.

Weiterführende Links zu:

Titelfoto: Krzysztof Niewolny on Unsplash

Die Autorin
Katrin Stockheim
Stadträtin Katrin Stockheim ist Mitglied des Planungsausschusses und des Rechnungsprüfungsausschusses des Freisinger Stadtrats. Weiterlesen ...

Zurück